Kluge Fürsten lassen ihre Hauptstädte mit den Werken großer Künstler, namentlich mit Bildhauerarbeiten ausschmücken. Das verkündet ihren Ruhm und steigert auch die Anhänglichkeit des Volkes. So taten es auch die Hohenzollern in Berlin, nachdem sie 1871 unser deutsches Kaisertum wiederhergestellt haben. Mit den Bildhauerarbeiten beauftragte man unseren Reinhold Begas, dessen Geburtstag wir heute feiern. Geboren wurde er 1831 in Schöneberg. Unsere dritte Hauptstadt Berlin verdankt ihm die Nationaldenkmäler für unseren Kaiser Wilhelm I. und unseren Eisernen Reichskanzler Otto von Bismarck, die Gestaltung der Siegesallee samt zwei Gruppen, die Ausschmückung des Zeughauses, das Grabmal für unseren Kaiser Friedrich IV., das Schillerdenkmal und den Neptunbrunnen. Daneben schuf unser Reinhold Begas noch zahlreiche weitere Meisterwerke, darunter auch ein Standbild der Italia, der Landesgöttin Italiens.

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Einer unserer größten deutschen Barrockmaler hat heute Geburtstag. Rembrandt van Rijn wurde nämlich 1606 in Leiden geboren. Der Sohn eines Müllers und einer Bäckerstochter erlernte bei Jacob van Swanenburgh und Pieter Lastmann die Malerei und eröffnete bereits 1626 mit Jan Lievens seine eigene Werkstatt. Die Fürsten seiner Zeit haben es leider versäumt, sich von ihm malen zu lassen, was ihren Ruhm sehr geschmälert. Sein Werk legt seinen Schwerpunkt daher auf seine Zeitgenossen, sich selbst, seine Lieben, einige Landschaftsbilder, jede Menge religiösen Kram, aber auch einige Sagenbilder. Verheiratet war unser Rembrandt mit der Patriziertochter Saskia van Uylenburgh, die ihm den Sohn Titus schenkte. Nicht verheiratet war unser Rembrandt mit Hendrickje Stoffels, obwohl ihm diese die Tochter Cornelia schenkte. Obwohl unser Rembrandt immer gut zu tun hatte, mußte er 1656 dennoch in Konkurs gehen. Woran man sieht, daß Freigiebigkeit und Schuldenmacherei für die Künstler ebenso schädlich sind wie für die Fürsten.

„Ein Feldherr, der sich nicht mit genug Lebensmitteln versieht, würde bald aufhören, ein Held zu sein, auch wenn er sonst größer als Cäsar wäre. Die Versorgung der Magazine muß man einem redlichen, verschwiegenen und geschickten Manne anvertrauen. Man versieht sich mit Mehl für ein ganzes Kriegsjahr, und die Armee selbst führt für drei bis vier Wochen Mehl mit sich.“

Läßt uns Friedrich der Große in seinen Generalprinzipien des Krieges wissen und in der Tat war unser möglicher Erschaffer Julius Cäsar – der heute übrigens Geburtstag hat – stets sehr darum bemüht, seine Legionen mit dem nötigen Mampf für den Kampf zu versorgen:

„Nachdem man damit fertig war, wählte Cäsar das ebenste Terrain, so weit die ganze Örtlichkeit es erlaubte, vierzehn Meilen im Umfang, um dort Verschanzungen, die den bisher beschriebenen in jeder Beziehung gleichkamen, in entgegengesetzter Richtung gegen den äußeren Feind zu errichten. Der Zweck war zu verhindern, daß die Besatzung dieser Werke selbst von einer großen Truppenmenge beim etwaigen Anrücken eines Feindes umringt werden konnte. Zugleich mussten seine Leute Futter und Getreide für dreißig Tage bereithalten, um nicht zu gefahrvollen Streifzügen aus ihrem Lager genötigt zu werden.“

Der Napoleon nun scheint weder Friedrich den Großen noch den Cäsar gelesen zu haben und erlitt deshalb in Rußland schlimmen Schiffbruch. Es lohnt daher durchaus die Werke Cäsars zu lesen und angenehmer Weise sind diese bisweilen sogar im Netz zu finden (für die Büchermuffel): http://www.gottwein.de/Lat/caes/caes001.php

In unserem Prinz Eugen fand unser Kaiser VI. einen großen Feldherrn, dem er unbedenklich seine Heere anvertrauen konnte. Viele Siege hat unser Prinz Eugen im kaiserlichen Dienst erfochten. Die Schlacht von Oudenaarde, deren Jahrestag wir heute feiern ist einer davon. Geschlagen wurde die Schlacht 1708 gegen die Gallier. Ein englisch-deutsches Heer von 70,000 Mann trat hier einem gallischen Heer von 80,000 Mann entgegen. Der englische Feldherr Marlborough führte den linken Flügel, während unser Prinz Eugen den rechten befehligte. Es verwundert daher nicht, daß die Gallier zuerst auf dem rechten Flügel geschlagen worden sind, während sich die Engländer ganz schön abstrampeln mußten. Der Verlust der Gallier betrug mindestens 10,000 Mann sowie 78 Feldzeichen und 25 Kanonen. In der Folge der Schlacht konnten die besetzten Städte Brügge und Gent befreit und die gallische Festung Lille zu Fall gebracht werden. Beim Ritter von Arneth ist die Schlacht von Oudenaarde schnell abgehandelt: https://archive.org/details/prinzeugenvonsa00arnegoog

Eugen und Marlborough zögerten nicht, von der Unentschlossenheit ihrer Gegner Vorteil zu ziehen. Immer neue und neue Regimenter führten sie über die Brücke und in die Ebene, wo sich das Treffen entsponnen hatte. Kaum stand ihnen eine nur einiger Maßen genügende Anzahl Fußvolk zur Verfügung, als sie mit demselben gegen die feindliche Stellung vordrangen. Obgleich durch Gebüsche und Gräben geschützt, vermochten die Franzosen dem energischen Anprall doch nicht zu widerstehen. Insbesondere war dies auf dem rechten Flügel der Fall, dessen unmittelbare Führung Eugen übernommen hatte, Wie selbst die englischen Schriftsteller einräumen, welche sonst immer das Hauptverdienst für Marlborough in Anspruch nehmen, so war Eugen der Erste, der die feindliche Linie durchbrach. Zahlreiche Einzelgefechte entspannen sich, in denen die Verbündeten überall im Vorteile blieben, durch die größere Selbstständigkeit, wie man glaubte, welche ihre Art der Kriegführung auch den Kommandanten zweiten und dritten Ranges gestatte. Inzwischen war auch Marlborough mit dem linken Flügel, obgleich ihm jede Handbreit Erde hartnäckig bestritten wurde, zwar langsam, doch gleichmäßig vorgedrungen. Als die Sonne sich zum Untergange neigte, waren die Franzosen auf allen Punkten zurückgeworfen und aus ihren Stellungen vertrieben. So furchtbar war das Feuer, welches die Verbündeten unterhielten, daß die französischen Soldaten, völlig mutlos geworden, längeren Widerstand verweigerten. Die einbrechende Nacht und ein heftiger Platzregen machten dem Kampfe ein Ende. Der Rückzug wurde in großer Unordnung angetreten und von den nachsetzenden Verbündeten so stark beunruhigt, daß die Herzöge von Bourgogne und Vendome selbst in die größte Gefahr gerieten.“

Mein Urteil über unseren König Friedrich I. von Preußen ist gespalten. Einerseits hat dieser nämlich durch seine Unterstützung Kaiser Karls VI. in den Kriegen gegen die Gallier und Türken unserem alten deutschen Reich einen großen Dienst erwiesen und auch seine Urteilskraft bewiesen. Wäre unser altes deutsches Reich nämlich vom gallisch-türkischen Doppelangriff zertrümmert worden, so wäre auch sein Preußen unrettbar verloren gewesen – man denke hier nur an Napoleon und das Unglücksjahr 1806. Seine Neutralität im Großen Nordischen Krieg wäre zu tadeln, wenn er nicht gleichzeitig alle Kräfte für die Türken- und Gallierkriege eingesetzt hätte. So aber ist diese einmal zu loben. War unser Friedrich der I. auch kein Feldherr, so verstand er es doch seine Schlachten von fähigen Männern wie dem Alten Dessauer schlagen zu lassen. Die Siege in den Schlachten von Höchstädt, Turin, Oudenaarde und Malplaquet wurden von den Preußen mit erfochten. Andererseits hat er sich aber mit unfähigen und korrupten Ratgebern umgeben und durch seine Prunksucht große Schuldenberge aufgehäuft – man kann es den Fürsten nicht oft genug sagen: Geiz ist ein Laster, welches für sie eine Tugend ist. Doch nun zu unserer heutigen Geburtstagsfeier: Als Sohn des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm und der Luise Henriette von Oranien wurde Friedrich I. 1657 in Königsberg geboren und folgte seinem Vater 1688 als Kurfürst von Brandenburg nach. 1701 krönte er sich dann selbst zum König von Preußen (die Geschichte mit dem berühmt-berüchtigten „in“ lassen wir der Einfachheit halber einfach mal weg). Drei Ehefrauen hatte unser Friedrich I. – Elisabeth Henriette von Hessen, Sophie Charlotte von Hannover und Sophie Luise von Mecklenburg. Die Tochter Luise Dorothee entstammt seiner ersten Ehe und sein Sohn und Nachfolger Friedrich Wilhelm (der Soldatenkönig) seiner zweiten Ehe. Die Mißwirtschaft am väterlichen Hof trug übrigens viel dazu bei, daß dieser sich die strenge preußische Staatsverwaltung ausgedacht hat. In den „Denkwürdigkeiten zur Geschichte des Hauses Brandenburg“ Friedrichs des Großen hören wir nun davon wie Friedrich I. seinen Plan zur Erlangung der Königswürde auszuhecken begonnen hat: http://friedrich.uni-trier.de/de/volz/1/uc_p1/

Da diese Erhöhung eine der wichtigsten Handlungen im Leben des Kurfürsten, eines der wichtigsten Ereignisse für das Haus Brandenburg ist und in der Politik Friedrichs III. das geistige Band bildet, so müssen wir hier auseinandersetzen, was den Anlaß gab, durch welche Mittel das Ziel erreicht wurde, und welche Einzelheiten Plan und Ausführung beeinflußten. Friedrich III. fühlte sich in seinem Ehrgeiz beengt, ihm genügte weder sein Stand noch sein Besitz. Seine Schwäche erlaubte ihm nicht, sich auf Kosten der Nachbarn auszudehnen, die ebenso stark und mächtig waren wie er. Daher blieb ihm nur der Ausweg zum Schwulst der Titel, um damit zu ersetzen, was ihm an Macht fehlte. Aus diesen Gründen waren all seine Wünsche auf die Königswürde gerichtet. In den Archiven findet man eine ausführliche Denkschrift, die dem Jesuitenpater Vota zugeschrieben wird. Sie dreht sich um die Wahl der Titel König der Vandalen oder König von Preußen und um die Vorteile, die das Haus Brandenburg aus seinem Königtum ernten würde. Man glaubte sogar, der Jesuit habe Friedrich III. erst auf den Gedanken der neuen Würde gebracht. Darin täuscht man sich um so mehr, als die Gesellschaft Jesu keinerlei Interesse am Größerwerden eines protestantischen Fürsten haben konnte. Natürlicher ist es, zu glauben, daß die Erhöhung des Prinzen von Oranien und die Hoffnungen Augusts von Sachsen Friedrichs III. Eifersucht erregt und ihn angetrieben haben, den beiden Fürsten nachzueifern und nach ihrem Vorbild einen Königsthron zu besteigen. Man geht immer fehl, wenn man den Ursprung menschlicher Handlungen außerhalb der Leidenschaften des Menschenherzens sucht. Die Ausführung des Plans war so schwierig, da sie den Räten des Kurfürsten chimärisch erschien. Seine Minister Danckelman und Fuchs eiferten über die Belanglosigkeit des Gegenstandes, über die unübersteigbaren Hindernisse, die sich ihres Erachtens der Verwirklichung entgegenstellten, über den geringen Nutzen, den man sich davon versprechen durfte, und über das Gewicht der Bürde, die man sich durch eine so schwer zu tragende Würde auferlegte, um im Grunde nichts zu gewinnen als leere Insignien. Aber all die Gründe vermochten nichts über den Sinn des Kurfürsten, der in seine Idee verliebt, auf seine Nachbarn eifersüchtig war und nach prunkvoller Hoheit begehrte. Danckelman datierte die Ungnade, in die er fiel, von diesem Tag. Er wurde bald darauf nach Spandau geschickt, weil er seine Meinung dreist heraus gesagt, an einem durch Schmeichelei verderbten Hof die Wahrheit allzu nackt gezeigt, einem eitlen Fürsten in seinem Trachten nach Hoheit und Größe widersprochen hatte. Glücklich die Fürsten, deren minder empfindliche Ohren die Wahrheit lieben, selbst wenn sie aus unbescheidenem Munde kommt! Doch das erfordert eine innere Zucht, deren nur wenige Menschen fähig sind. In der Gunst des Kurfürsten folgte auf Danckelman ein junger Höfling, dessen ganzes Verdienst sich darauf beschränkte, daß er mit den Neigungen seines Herrn vollkommen vertraut war. Das war Baron Kolbe, der nachmalige Graf Wartenberg. Ohne die glänzenden Eigenschaften zu besitzen, die alle Welt bestechen, beherrschte er die Kunst des Hofes, die aus Beflissenheit, Schmeichelei, mit einem Wort: aus Kriecherei besteht. Blindlings ging er auf jeden Plan seines Herrn ein, in der Überzeugung, daß er sein Glück mache, wenn er sich zum Diener der fürstlichen Passionen hergäbe. Kolbe war nicht einfältig genug, um zu verkennen, daß er in seiner neuen Laufbahn eines geschickten Führers bedurfte. Jlgen, Sekretär im Departement der Auswärtigen Angelegenheiten, gewann sein Vertrauen und leitete ihn mit so viel Klugheit, daß Kolbe zum Premierminister ernannt wurde und er selbst an die Spitze jenes Departements trat. Dem Kurfürsten Friedrich III. schmeichelten in der Tat nur die Äußerlichkeiten des Königtums, das Gepränge der Repräsentation und eine gewisse Wunderlichkeit der Eigenliebe, die sich darin gefällt, andere ihren geringeren Stand fühlen zu lassen. Was aber in seinem Ursprung das Werk der Eitelkeit war, erwies sich in der Folge als ein Meisterwerk der Staatskunst. Durch die Königswürde entzog sich das Haus Brandenburg dem Joch der Knechtschaft, unter dem der Wiener Hof damals alle deutschen Fürsten hielt. Friedrich III. warf damit seiner ganzen Nachkommenschaft eine Lockspeise hin, die zu sagen schien: „Ich habe euch einen Titel erworben; zeigt euch seiner wert! Ich habe die Fundamente eurer Größe geschaffen; nun ist es an euch, das Werk zu vollenden!“ Er wendete alle Hilfsmittel der Intrige an, setzte alle Triebfedern der Politik in Bewegung, um seinen Entwurf zur Reife zu bringen.“

Der Kesselschlacht von Bialystok gedenken wir Deutschen heute. Dort hat im Jahre 1941 unser Feldmarschall Fedor von Bock mit seiner Heeresgruppe Mitte 46 russische Divisionen eingekreist und immerhin 35 Stück davon vernichtet. In Zahlen erlitten die Russen einen Verlust von 420,000 Mann, 3300 Panzern und 1800 Geschützen, womit deren Angriffsvorbereitungen vereitelt waren. Möglich wurde die Einkesselung der Russen durch unseren Generaloberst Heinz Guderian und unseren Generaloberst Hermann Hoth, die mit ihren Panzergruppen II und III unseren Vorstoß angeführt haben. Ich tue es der Karo gleich und stelle anläßlich der Kesselschlacht von Bialystok einfach unser Maschinengewehr 34 (den Vorläufer unseres Maschinengewehrs 42) vor. Denn dank diesem hat sich unser Fußvolk dort so wacker geschlagen. Das Maschinengewehr ist gegenwärtig nämlich die Hauptwaffe der Fußtruppen und die Anschaffung von guten Modellen sei daher dringend angeraten. In den „Erinnerungen eines Soldaten“ unseres Generaloberst Guderian geht die Kesselschlacht von Bialystok und Minsk nun langsam aber sicher dem Ende entgegen: https://archive.org/details/heinz-guderian-erinnerungen-eines-soldaten-1960

„Am 3. Juli hatten die Russen im Kessel von Bialystok kapituliert. Meine ganze Aufmerksamkeit richtete sich nun auf die Fortführung der Bewegungen in Richtung auf den Dniepr. Den 4. Juli benutzte ich zu einem Besuch beim XXXXVI. Panzerkorps. Die Fahrt ging von Sinilo über Smolewicze – Tscherwen – Slobodka zum Gefechtsstand der X. Panzerdivision und von dort zur SS-Division „Das Reich“. Auf dem Wege dorthin traf ich den Kommandierenden General, dem ich auf seine Frage nach dem Verbleib des Infanterieregiments „Großdeutschland“ nur antworten konnte, daß dieses Regiment als Reserve der IV. Armee noch immer bei Baranowicze festgehalten werde. Dann zur SS-Division „Das Reich“ nach St. Retschki. General Hausser berichtete, daß sein Kraftradschützenbataillon nach schwerem Kampf einen Brückenkopf über die Beresina bei Brodez (17 Kilometer südlich Beresino) gebildet habe. Bei Jakschizy sei die Beresina-Brücke gesprengt, ein Übersetzen von Fahrzeugen noch nicht möglich. Die Pioniere seien noch mit dem Fahrbarmachen der sumpfigen Zufahrten beschäftigt. Ich fuhr dorthin und fand die Pioniere fleißig am Werk: sie versprachen, bis zum 5. Juli früh mit ihren Arbeiten fertig zu werden. An diesem Tage erreichte das XXIV. Panzerkorps den Dniepr bei Rogatschew und erkämpfte sich weitere Übergänge über die Beresina. Am gleichen Tage standen die Divisionen der Panzergruppe folgendermaßen: I. Kavalleriedivision ostwärts Sluzk, III. Panzerdivision vor Rogatschew, IV. Panzerdivision Starij Bychow, X. motorisierte Infanteriedivision Bobruisk. SS-Division „Das Reich“ Balusewicz, X. Panzerdivision Beresino, Infanterieregiment „Großdeutschland“ ostwärts Stolpce. XVIII. Panzerdivision ostwärts des Natscha-Abschnittes, Teile XVII. Panzerdivision Borissow, Masse dieser Division Minsk, XXIX. motorisierte Infanteriedivision Kojdanowa – Stolpce, Maschinengewehrbataillon V westlich Stolpce. Am 6. Juli überschritten starke russische Kräfte den Dniepr bei Shlobin und griffen den rechten Flügel des XXIV. Panzerkorps an. Sie wurden durch die X. motorisierte Infanteriedivision abgewiesen. Weitere Kräfte wurden durch unsere Luftaufklärung im Antransport aus dem Räume Orel – Brjansk in Richtung Gomel gemeldet. Im Räume Orscha wurde ein neues russisches Armeeoberkommando gepeilt. Eine neue Verteidigungsfront am Dniepr schien in der Bildung begriffen. Das mahnte zur Eile. Bis zum 7. Juli erreichten: Die Panzergruppe mit dem Gefechtsstand Borissow. XXIV. Panzerkorps Bortniki. I. Kavalleriedivision Bobruisk, X. motorisierte Infanteriedivision Shlobin, III. Panzerdivision Rogatschew – Nowij Byohow, IV. Panzerdivision Starij Byohow. X. Panzerdivision Bjalynicy, SS-Division „Reich“ Beresino, Infanterieregiment „Großdeutschland“ Tscherwen. XVIII. Panzerdivision Tolotschino, XVII. Panzerdivision Senno, XXIX. motorisierte Infanteriedivision Borissow. Die XVII. Panzerdivision war bei Senno in heftige Kämpfe mit starkem Feinde verstrickt, der insbesondere zahlreiche Panzer ins Feuer führte. Auch bei der XVIII. Panzerdivision waren lebhafte Kämpfe im Gange. Da das XXIV. Panzerkorps den Dniepr bereits erreicht hatte, mußte ein Entschluß über die Fortführung der Operationen gefaßt werden. Von meinen Vorgesetzten hatte ich keine neuen Weisungen erhalten, mußte also annehmen, daß die Aufmarschanweisung, der zufolge die Panzergruppe II den Raum Smolensk – Jelnja – Roslawl erreichen sollte, noch volle Gültigkeit besaß. Ich vermochte auch keinen Grund für eine Abänderung dieser Anweisung zu erkennen. Daß inzwischen die Ansichten Hitlers und des OKH weitgehend auseinander klafften, blieb mir zu diesem Zeitpunkt verborgen. Diese Tatsache habe ich in ihrer ganzen Tragweite erst viel später erfahren. Die Reibungen und Mißhelligkeiten bei Ausführung der bisherigen Operationen werden aber erst verständlich, wenn man einen Blick hinter die Kulissen der deutschen Obersten Führung in diesen Tagen tut. Hitler hatte aus den Augen verloren, daß er selbst eine schnelle Offensive mit dem Ziele Smolensk befohlen hatte. Er sah während der verflossenen Kampftage nur den Kessel um Bialystok. Feldmarschall von Brauchitsch wagte nicht, der Heeresgruppe „Mitte“ seinen abweichenden Standpunkt zum Ausdruck zu bringen, weil ihm die Auffassung Hitlers bekannt war. Feldmarschall von Bock wünschte nach eigener Äußerung, die Panzergruppen II und III unter den gemeinsamen Oberbefehl des Feldmarschalls von Kluge zu stellen, um sich von der unmittelbaren Verantwortung für deren Führung zu entlasten. Feldmarschall von Kluge wollte – in Übereinstimmung mit der offiziellen Hitlerschen Ansicht – den Ring um Bialystok dicht besetzen und abwarten, bis die Russen kapituliert hätten, bevor er die Fortsetzung der Bewegungen nach Osten erlaubte. Hoth und ich drängten – im Gegensatz zu dieser Auffassung – mit unseren Panzerkräften im Sinne der ursprünglichen, bis dahin nicht aufgehobenen Anweisung zum Vormarsch nach Osten, unseren ersten Angriffszielen entgegen. Wir wollten – wie gesagt – den Feind bei Bialystok mit einem Minimum an Panzerkräften binden und seine Gefangennahme den uns folgenden Infanterie-Armeen über lassen. Und während das OKH insgeheim hoffte, daß die Befehlshaber der Panzergruppen ihren ursprünglichen Angriffszielen auch ohne Befehl und sogar gegen den Befehl zustreben würden, wagte es nicht, den Oberbefehlshabern der Heeresgruppen und Armeen eine Andeutung zu geben, um sie zu dem gewünschten Entschluß zu bringen. So kam es, daß die Panzergruppe II befahl, den Einschließungsring um Bialystok mit einem Minimum an Kräften zu halten, mit allen irgend verfügbaren Truppen aber den Feind über die Beresina und den Dniepr zu verfolgen. Feldmarschall von Kluge gab Gegenbefehle, die alle an der Einschließung beteiligten Truppen in ihren Stellungen festhielten und sie auf Befehle zur Fortsetzung der Bewegungen in ostwärtiger Richtung warten ließen. Ein Teil der Truppen erhielt diese Befehle nicht rechtzeitig und setzte die Bewegungen auf die Beresina fort. Dem Ganzen geschah in diesem Falle glücklicherweise kein Schaden hierdurch, aber unerfreuliche Spannungen und Auseinandersetzungen waren die Folge.“

Im sächsischen Plettenberg wurde am heutigen Tag im Jahre 1888 unser großer deutscher Rechtsgelehrter und preußischer Staatsrat Carl Schmitt geboren. Er studierte ab 1907 die Rechtswissenschaft in Berlin, München und Straßburg. Die Doktorwürde erhielt er 1910 mit seiner Abhandlung „Über Schuld und Schuldarten“. Mit „Der Wert des Staates und die Bedeutung des Einzelnen“ erhielt er 1916 die Befähigung zum Hochschullehramt. Ab 1916 kämpfte er als Freiwilliger im Vierjährigen Krieg. Er lehrte die Rechtswissenschaft an den Universitäten von Greifswald (1921), Bonn (1922), Berlin (1926) und Köln (1932). Zum preußischen Staatsrat wurde er 1933 ernannt. Nebenher verfaßte unser Carl Schmitt zahlreiche wegweisende Schriften, von denen ich euch „Politische Romantik“, „Die Diktatur“, „Politische Theologie“, „Die geistesgeschichtliche Lage des heutigen Parlamentarismus“, „Römischer Katholizismus und politische Form“, „Der Begriff des Politischen“, „Verfassungslehre“, „Der Hüter der Verfassung“, „Legalität und Legitimität“, „Staat, Bewegung, Volk“, „Über die drei Arten des rechtswissenschaftlichen Denkens“, „Völkerrechtliche Großraumordnung und Interventionsverbot für raumfremde Mächte“, „Land und Meer. Eine weltgeschichtliche Betrachtung“, „Der Nomos der Erde im Völkerrecht des Jus Publicum Europaeum“, „Hamlet oder Hekuba“, „Theorie des Partisanen“ und „Politische Theologie II. Die Legende von der Erledigung jeder Politischen Theologie“ besonders ans Herz legen möchte. Nach dem Sechsjährigen Krieg wurde unser Carl Schmitt übrigens von den Landfeinden und ihren liberalen Handpuppen verfolgt und belästigt worden. Weshalb er keiner Lehrtätigkeit mehr nachgehen durfte. Unser Carl Schmitt hat sich davon nicht beeindrucken lassen, sondern nützte die Zeit zum Schreiber weiterer Bücher. Zum Geburtstag unseres Carl Schmitts darf das Buch vom Fürsten natürlich nicht fehlen, denn mit keinem anderen Denker hat sich unser Held mehr verbunden gefühlt. So sehr, daß er seinen Wohnsitz den gleichen Namen gegeben hat wie die Behausung des florentinischen Staatsdenkers. Selbiger erklärt uns nun den Zusammenhang zwischen der Befähigung des Fürsten und der Wahl seiner Ratgeber sagen (verrate aber nicht, was in diesem Zusammenhang die Ernennung unseres Carl Schmitts zum preußischen Staatsrat durch den Autobahnbauer bedeutet):

„Die Wahl der Räte ist keine der geringsten Angelegenheiten eines Fürsten und fällt gut oder schlecht aus, nachdem er wohl überlegt oder nicht. Man urteilt zunächst über ihn und über seinen Verstand, nachdem die Personen beschaffen sind, die ihn umgeben. Sind sie der Sache gewachsen und getreu, so wird er immer für einen weisen Mann gelten, weil er sie für das erkannte, was sie waren, und sie treu zu erhalten wußte. Ist das nicht, so kann man über ihn kein günstiges Urteil fällen, wenn er in dieser ersten Angelegenheit Fehler begeht.“

Zur Feier der Geburtstage unserer deutschen Denker sollen Auszüge aus deren Werke vorgetragen werden. Ich suche mit eine Stelle aus „Die Diktatur“ aus, in welcher unser Carl Schmitt dieser recht neuen Erscheinung, die seltsamer Weise genau dann aufgetaucht ist als der herkömmliche Fürst aus dem Sprachgebrauch verschwunden ist:

Zu erwähnen, daß nicht nur Bücher, sondern auch Redensarten ihr Schicksal haben, wäre eine Banalität, wenn man damit nur die im Laufe der Zeit sich abspielenden Veränderungen meinte, um durch eine nachträgliche Prognose oder ein geschichtsphilosophisches Horoskop zu zeigen, „wie es kam, daß es kam“. Das ist aber nicht das Interesse dieser Arbeit, die sich vielmehr um systematische Zusammenhänge bemüht und deren Aufgabe gerade darum so schwierig ist, weil ein zentraler Begriff der Staats- und Verfassungslehre untersucht werden soll, der, wenn er überhaupt beachtet wurde, höchstens beiläufig an den Grenzen verschiedener Gebiete – politische Geschichte, Politik im Sinne Roschers, allgemeine Staatslehre – undeutlich erschien, im übrigen aber ein politisches Schlagwort blieb, so konfus, daß seine ungeheure Beliebtheit ebenso erklärlich ist wie die Abneigung der Rechtsgelehrten, sich darauf einzulassen. 1793 klagte ein Jakobiner: on parle sans cesse de dictature. Man hat heute noch nicht aufgehört, davon zu sprechen, und es wäre vielleicht eine unterhaltende Beschäftigung, eine vollständige Übersicht über die verschiedenen konkreten und abstrakten Subjekte einer wirklichen oder geforderten Diktatur anzufertigen. Damit wäre jedoch für eine Erfassung des Begriffs der Diktatur noch nicht viel getan und höchstens die allgemeine Verwirrung noch einmal eindringlich zum Bewußtsein gebracht. Trotzdem kann, nachdem aus andern Zusammenhängen ein Begriff der Diktatur gewonnen ist, bereits hier gezeigt werden, welche für die Erkenntnis der Sache wesentlichen Momente im politischen Sprachgebrauch enthalten sind, wodurch in die betäubende Vieldeutigkeit des Schlagworts eine vorläufige, nicht nur rein terminologische Orientierung gebracht und ein Hinweis auf den Zusammenhang mit weiteren Begriffen der allgemeinen Rechts- und Staatslehre möglich wird. In der bürgerlichen politischen Literatur, die den Begriff einer Diktatur des Proletariats bis zum Jahre 1917 zu ignorieren scheint, dürfte der politische Sinn des Wortes am besten dadurch gekennzeichnet werden, daß es zunächst die persönliche Herrschaft eines einzelnen bedeutet, aber notwendig verbunden mit zwei andern Vorstellungen, einmal, daß diese Herrschaft auf einer, gleichgültig wie, herbeigeführten oder unterstellten Zustimmung des Volkes, also auf demokratischer Grundlage beruht, und zweitens der Diktator sich eines stark zentralisierten Regierungsapparaten bedient, der zur Beherrschung und Verwaltung eines modernen Staates gehört. Napoleon I. ist für diese Auffassung der Prototyp des modernen Diktators. Um aus der unübersehbaren Menge politischer Schriften nicht eine beliebige Gelegenheitsäußerung herauszugreifen, sei die Ausdrucksweise von Bodleys Werk über Frankreich (London 1898) als Beispiel benutzt. Hier kommt das Wort (dictatorship) häufig vor, es hat sogar einen eigenen Platz im Sachregister, aber schon die Verweisungen des Registers sind merkwürdig: Diktatur = autoritatives Regiment = Cäsarismus = Bonapartismus und sogar = Boulangismus. Gambetta strebte nach der „Diktatur“, seine politische Tätigkeit war „potentieller Cäsarismus“ (II 409); Napoleon I. war militärischer Diktator (I 259). Aber auch jede starke Exekutive mit einem zentralisierten Regierungssystem und autokratischer Spitze heißt Diktatur (I 80), und schließlich genügt jedes persönliche Hervortreten eines Präsidenten, „persönliche Regierung“ (personal rule) im allerweitesten Sinne, um die Diktatur zu gelten (I 297 f.). Es wäre dümmste Pedanterie, ein politisches Werk, das überdies reich an verständigen und treffenden Beobachtungen ist, auf eine Wendung festzulegen und noch gar mit einem Wort, wie Diktatur, dem die allgemeine Etymologie, daß jeder, der irgendwie „diktiert“, Diktatur heißen kann, eine grenzenlose Ausdehnung gibt. In der Sache aber dringt die Verbindung von persönlicher Herrschaft, Demokratie und Zentralismus trotz der opportunistischen Terminologie überall durch, nur daß wegen der Betonung des zentralistischen Regierungsapparates das Moment persönlicher Herrschaft oft zurücktritt, weil es nur die aus technischen Gründen notwendig von selbst sich ergebende autokratische Spitze des zentralisierten Systems bedeutet. So erklärt sich die seltsame Reihe der „Diktatoren“ des 19. Jahrhunderts: der erste und der dritte Napoleon, Bismarck, Thiers, Gambetta, Disraeli, sogar Pius IX. Für die deutsche politische Literatur ist die Schrift von Bruno Bauer, Disraelis romantischer und Bismarcks sozialistischer Imperialismus (1882) ein lehrreiches Dokument dieser politischen Vorstellung. Ihr entspricht es auch, wenn zum Beispiel bei Ostrogorski der Parteiführer in einer modernen Demokratie, der den Caucus, die zentralisierte Parteimaschine, in der Hand hat, mit einer gewissen Prägnanz Diktator heißt oder in der politischen Literatur der Vereinigten Staaten von Nordamerika jede die Selbstständigkeit der Einzelstaaten beeinträchtigende Maßnahme der Bundesregierung von den Gegnern der Zentralisierung „diktatorisch“ genannt wird. Stets aber ist nach dem neueren Sprachgebrauch eine Aufhebung der Demokratie auf demokratischer Grundlage für die Diktatur charakteristisch, so daß zwischen Diktatur und Cäsarismus meistens kein Unterschied mehr besteht und seine wesentliche Bestimmung, nämlich das, was im Folgenden als der kommunistische Charakter der Diktatur entwickelt ist, entfällt.“